Mountain Lion: Zusätzliche SSD für enorme Performance-Steigerung

Was ein SSD ist, dürfte allgemein bekannt sein. Die Tatsache, dass ein SSD um ein vielfaches schneller ist, als “herkömmliche” Festplatten, ist auch nichts neues. Wie man in einem (älteren) Mac (egal ob iMac, Macbook oder der Rest) mit Mountain Lion die Vorteile eines SSD nutzen kann, soll hier kurz beschrieben werden.

Zunächst der obligatorische Hinweis, dass für Schäden oder Datenverlust keine Haftung übernommen wird – die Benutzung dieser Anleitung erfolgt auf eigene Gefahr.

Hinweis: Eine Kurzfassung findet sich am Ende des Artikels!

Auswahl des SSDs

Welcher nun der beste Hersteller ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden und eigene Recherchen betreiben. Jegliche Empfehlung wäre in so kurzer Zeit obsolet, dass darauf hier komplett verzichtet wird. Was bedacht werden soll ist die Kapazität. Hier kann man einiges an Geld sparen, wenn man sich folgendem bewusst wird:

Das Betriebssystem selbst ist nicht ganz so groß, und Speicher ist teuer – vor allem bei SSDs. Kurz und knapp meine persönliche Empfehlung: 64 GB SSD reichen vollkommen aus! Der Benutzerordner, in dem sämtliche Benutzereinstellungen, Dokumente, Musik, usw. liegen, macht den mit Abstand größten Anteil an Daten aus. Um sicher zu gehen, kann man folgendermaßen überprüfen, wie viel Speicherplatz man benötigt:

  1. im Finder die Systemfestplatte auswählen
  2. cmd ⌘ + i drücken, um das Informationsfenster aufzurufen
  3. benutzten Speicher ablesen, z.B. 581,72 GB auf dem Volume
  4. im Stammverzeichnis den Ordner Benutzer auswählen, wieder cmd ⌘ + i, um das Informationsfenster aufzurufen
  5. Größe ablesen, z.B. 532,96 GB auf dem Volume
  6. Differenz berechnen, z.B. 581,72 GB – 532,96 GB48,76 GB
  7. SSD mit mindestens dieser Größe einbauen

In diesem Fall wurde eine 64 GB SSD verwendet, damit sind noch ca. 15 GB für Programme frei.

Einbau

In diesem Artikel wird davon ausgegangen, dass das SSD zusätzlich zur internen Festplatte eingebaut wird. In meinem Fall habe ich bei einem iMac (27” late 2009) das (sowieso defekte) Superdrive-Laufwerk ausgebaut und an dieser Stelle eine SSD platziert, und zwar schlecht. Kein teures Gehäuse, kein zusätzliches Kabel oder sonstiges – einfach nur das Laufwerk, angeschlossen mit einem SATA auf Slim SATA Adapter, mit Filzgleitern an das Gehäuse geklebt und alles wieder zugeschraubt. Das ging bei mir Problemlos, man sollte nur unbedingt darauf achten, dass der Temperatursensor vom Superdrive nicht kaputtgemacht wird und am Ende wieder angeschlossen wird (bei mir klebt er jetzt einfach nur am Gehäuse), sonst dreht der Lüfter ziemlich auf. Eine gute Anleitung für iMacs gibt es auf iFixIt.

Installation

Ist das SSD eingebaut, wird erst einmal ganz normal gebootet. Im Festplatten Dienstprogramm (zu finden unter Programme → Dienstprogramme) sollte man jetzt das Laufwerk sehen.

Formatieren

Der erste Schritt: Formatieren – und das geht so:

  1. SSD (nicht die Partition, schon gar nicht das Systemlaufwerk) anwählen
  2. im Reiter “Partition” ein neues Partitionslayout (1 Partition) auswählen
  3. beliebigen Namen vergeben
  4. Mac OS Extended (Journaled)-Format auswählen
  5. weiter unten auf “Optionen…” klicken
  6. GUID-Partitionstabelle wählen und mit OK bestätigen
  7. Anwenden
  8. kurz warten (wirklich kurz, es ist eine SSD; keine Kaffeepause notwendig)

Festplatten Dienstprogramm

Wiederherstellungspartition erstellen und übertragen

Unter Mountain Lion gibt es auf der Systemfestplatte eine kleine, versteckte Partition, die Programme zur Festplattenwiederherstellung bereithält. Diese wird am besten ebenfalls auf die SSD übertragen. Dazu eignet sich das Programm “Carbon Copy Cloner” (CCC), das später auch für das Kopieren des Systems verwendet wird. Also: hier runterladen und in den Programme-Ordner kopieren. Das kostenpflichtige Programm hat eine 30-Tägige Testphase, die voll funktionsfähig ist. Der / Die EntwicklerIn würde sich dennoch bestimmt über den Kauf freuen.

  1. CCC starten
  2. in der Menüleiste unter Fenster auf Festplattenverwaltung klicken
  3. SSD auswählen
  4. im Reiter “Recovery HD” auf den Button Recovery HD-Partition für dieses Volume erstellen klicken
  5. kurz warten

Systemdaten kopieren

Wie schon geschrieben sollte man im Idealfall nur die Systemdaten und Programme auf dem SSD unterbringen, der Benutzerordner kann ruhig auf der Festplatte bleiben, so hat man genug Platz für Musik, Fotos, Videos und sonstigen Krempel.

  1. im Hauptfenster von CCC als Quelle die Systemfestplatte auswählen (z.B. “Macintosh HD”)
  2. als Ziel das SSD auswählen
  3. sonstige Einstellungen nicht notwendig.
  4. auf Klonen klicken und warten

Eventuell kommt noch eine Warnung, dass das Ziellaufwerk zu wenig Speicher haben könnte, das liegt daran, dass CCC nur den belegten Platz der Quelle mit dem freien Platz des Ziels vergleicht, nicht aber die ausgeschlossenen Ordner abzieht.

Bei mir hat der Vorgang etwas mehr als 30 Minuten gedauert und auf der SSD sind nun 49 GB belegt.

Carbon Copy Cloner

Neustart mit SSD

Jetzt muss der Mac noch wissen, dass er von dem SSD starten soll:

  1. Systemeinstellungen (zu finden unter Programme) öffnen
  2. unter System auf Startvolume klicken
  3. SSD anwählen
  4. Neustart drücken

Das war’s schon (fast). Der Mac startet jetzt neu und man kann staunen, wie schnell so ein Bootvorgang doch gehen kann. In meinem Fall wurden aus über 2 Minuten (bis zum vollständigen starten, inkl. automatischer Anmeldung Autostart-Programme) gerade mal 30 Sekunden.

Benutzerordner festlegen

nach dem Anmelden sieht alles wahrscheinlich komisch aus. Der Benutzerordner fehlt ja auch, in dem sich alle Einstellungen befinden. Das wird im letzten Schritt behoben:

  1. Systemeinstellungen (zu finden unter Programme) öffnen
  2. unter System auf Benutzer & Gruppen klicken
  3. auf das Schloss unten links klicken, um die Einstellungen freizugeben
  4. authentifizieren
  5. für jeden Benutzer: Rechtsklick auf den Benutzernamen → Erweiterte Optionen
  6. im Feld Benutzerordner den neuen (alten) Pfad angeben (oder auf Auswählen klicken zum Suchen), z.B. /Volumes/Macintosh HD/Users/benutzername
  7. mit OK bestätigen
  8. wird der aktuelle Benutzer verändert, wird man zum Neustarten aufgefordert
  9. neustarten
  10. alles fertig!

Abschluss

Speicherbelegung der SSD ohne Benutzerordner

Damit befinden sich sowohl das System, als auch alle Programme auf dem SSD, die “alte” Festplatte enthält nur noch den Benutzerordner (sofern man die Systemdaten gelöscht hat). Falls TimeMachine konfiguriert ist, wird das SSD automatisch mit in den Backup-Plan übernommen. Programme starten nun wesentlich schneller, insgesamt wirkt alles viel flüssiger, die Nebengeräusche nehmen aufgrund der wesentlich seltener in Anspruch genommenen Festplatte deutlich ab und man gewinnt ein wenig Speicherplatz dazu.

Natürlich braucht man bei Mac OS X nicht den Carbon Copy Cloner, um die Festplatte zu klonen – das Unixoide Betriebssystem hat die gängigen Tools für diese Aufgaben längst mit an Bord – allerdings wollte ich die Anleitung simpel halten und auf die Kommandozeile verzichten, in der man einiges Falsch machen kann, wenn man nicht aufpasst. Zudem ist die Macht der Kommandozeile nicht nur Windows-, sondern auch Mac-Benutzern häufig gänzlich unbekannt, was aber in einem bald folgendem Artikel hier behandelt werden soll.

Eine Sache noch…: TRIM

TRIM hin oder her – so hab ich’s gemacht: Trim enabler

Kurzfassung

Wer sich auskennt, hier die notwendigen Schritte:

  1. belegten Festplattenspeicher ohne Benutzerordner berechnen
  2. SSD mit mind. dieser Größe einbauen (genügend Platz nach oben lassen!!!)
  3. SSD mit GUID-Partitionstabelle formatieren, 1 Partition Mac OS X Extended (Journaled) erstellen
  4. Carbon Copy Cloner starten
  5. Wiederherstellungspartition klonen: im CCC unter Festplattenverwaltung bei SSD Recovery HD-Partition für dieses Volume erstellen
  6. mit CCC die Systemfestplatte als Quelle ohne “Benutzer”-Ordner auf SSD klonen
  7. unter Systemeinstellungen SSD als Startvolume auswählen & Neustarten
  8. unter Systemeinstellungen → Benutzer & Gruppen Heimverzeichnis für alle Benutzer auf den Pfad der HDD setzen (zu finden unter /Volumes/NameDerAltenFestplatte/Users/Benutzername)
  9. Neustarten
  10. Evtl. TRIM aktivieren (siehe Trim enabler)
  11. Fertig.

Viel Spaß mit einem viel schnelleren Mac!

Tagged with: , ,
Posted in Tutorials
12 Comments » for Mountain Lion: Zusätzliche SSD für enorme Performance-Steigerung
  1. donnerdrummel sagt:

    ich würde die kurzfassung an den anfang des artikels setzten, ansonsten wird sie wahrscheinlich erst zu spät entdeckt.

  2. Stefano sagt:

    Ein sehr schöner Artikel, der gerade Anfängern und Laien helfen könnte, sich an den Kauf einer SSD zu wagen. Immer hin gibt es viele Faktoren, auf die man achten muss. Wie sieht es beim Mac eigentlich mit dem AHCI Modus aus? Dieser muss zumindest bei Windows zwinend aktiviert werden, da die SSD sonst nur halb so schnell arbeitet.

  3. Chris sagt:

    …einfach nur WOW. Mein iMac 27″ i7 läuft jetzt mit der Samsung SSD 840 Pro Serie sowas von Rasant !! Einfach unglaublich. Danke für den tollen Artikel ….

  4. felix sagt:

    Hey, erstmal: super tutorial! hat mir auf jeden fall geholfen, jedoch kann ich seit Boot von SSD nicht mehr auf die HDD zugreifen. Also im “Finder” wird die HDD nicht mehr angezeigt? Wie gelang ich da jetzt noch auf die Platte?

    Lieben Gruß

    • manuel sagt:

      Am besten erst mal im Festplatten Dienstprogramm (zu finden unter Programme -> Dienstprogramme) nachsehen, ob die Festplatte überhaupt noch erkannt wird. Dort eventuell auf Fehler überprüfen.

  5. Michael sagt:

    Geht auch mit zwei kompl. verschlüsselten Platten!
    Dazu System plus Admin User auf SSD kopieren – davon Booten, dann zweite Platte wo UserXY drauf ist mounten (bei ersten mal wie beschrieben “Benutzerordner festlegen”) Admin abmelden u. mit UserXY einlogen.

    Oft benutzte Apps vom UserXY Ordner nach Programme (Applications) (auf SSD) verschieben.

    OSX (10.8.3) ist nun extrem schnell!

    Wer braucht da noch Fusion Drive?

    Frage: Ideal wäre, wenn man das Mouten der verschlüsselten User-Platte beim Starten im Hintergrund ausführen könnte – Hat einer eine Idee?

    MfG

  6. André sagt:

    Die Anleitung ist ja super, vielen dank dafür! Aber welche Daten können dann von der Ursprungs Festplatte gelöscht werden nachdem CCC fertig ist. So wirklich erkennen kan man ja nicht was alles kopiert wird?!?!
    Für einen kleinen tip wäre ich dankbar.
    MfG

  7. Walter sagt:

    Großartige Anleitung. Nachdem ich 5mal den Artikel in Mac&I gelesen habe und nicht wirklich sicher war, wie ich es machen sollte, hat es mir Deiner Anleitung sofort geklappt (Was war ich aufgeregt). Jetzt hab ich eine 128GB Sandisk im iMac Mitte 2010 auf der alles liegt bis auf den Benutzerordner. Zusätzlich hab ich dort noch Parallels Desktop mit der Windows 8 .pvm. Alles geht viel schneller: hoch- und runterfahren, Programme und vor allem das Öffnen von pdf’s aus Anwendungen heraus. Und das zurzeit noch mit 4GB Arbeitsspeicher. Mal sehen, was weitere 8GB noch bringen.
    Nochmals, vielen herzlichen Dank für die Anleitung.

  8. felix sagt:

    Hi, Danke für die Anleitung. Schön geworden.

    Bei mir hat die Festplattenverschlüsselung “FileVault” für Probleme im letzten Schritt gesorgt: Ich konnte mich nicht mehr einloggen.
    Dieses Problem sollte behoben sein, wenn man vor der Aktion FileVault ausschaltet.
    Ich habe eine externe SSD per Thunderbolt angeschlossen. Vielleicht auch eine Option für andere. Man muss den Rechner nicht öffnen. VG

  9. andi sagt:

    Vielen Dank, super Anleitung, hat alles geklappt. Ich habe eine externe SSD (Thunderbolt) an meinem iMac angeschlossen. Läuft jetzt alles viel schneller.

    Noch einen Tipp. Ich habe viele Stellen, die mit einem direkten Pfad auf mein Userverzeichnis zeigen, also “/Users/benutzername/…” was natürlich nicht mehr funktioniert. Mit einem Symlink von dem Userverzeichnis auf der HD auf das Userverzeichnis der externen SSD lässt sich das fixen:

    sudo mv /Users/benutzername /Users/benutzername.old
    sudo ln -s /Volumes/Macintosh\ HD/Users/benutzername /Users/benutzername

    Alles Gute…

  10. Tom sagt:

    Hallo,

    funktioniert das gleiche Procedere vielleicht auch mit macOS Sierra? Wäre super!

    Danke

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>